der jüdische friedhof
- Rundgang -
Der jüdische Friedhof in der Schillerstraße in Regensburg ist einer der wenigen Orte in der Stadt, die noch heute von der langen jüdischen Geschichte zeugen. Während die jüdische Gemeinde über Jahrhunderte hinweg immer wieder Verfolgung, Vertreibung und Zerstörung ausgesetzt war, blieb dieser Friedhof als ein stiller Zeuge der Vergangenheit bestehen. Doch seine Geschichte ist eng mit Grenzen verbunden – sowohl mit räumlichen als auch mit gesellschaftlichen und religiösen.
Ein Stiller rundgang aus respekt.
Somit bewahren wir die Grenzen

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Wusstet ihr...
dass die Erinnerung an Verstorbene im Judentum eine zentrale Rolle spielt. Ein jüdischer Friedhof (hebräisch: Beit HaChaim – „Haus des Lebens“ oder Beit Olam – „Haus der Ewigkeit“) wird traditionell für die Ewigkeit angelegt – das bedeutet, dass Gräber nicht nach einer bestimmten Zeit aufgelöst oder neu belegt werden, wie es auf christlichen Friedhöfen oft üblich ist. Nach jüdischem Glauben soll eine Grabstätte für immer bestehen bleiben, damit die Toten ungestört ruhen können.
Das ist auch einer der Gründe, warum jüdische Friedhöfe oft am Rande einer Stadt oder an abgelegenen Orten zu finden sind. Im Mittelalter war es jüdischen Gemeinden meist nicht erlaubt, ihre Toten innerhalb der Stadtmauern zu bestatten. Diese räumliche Grenze spiegelt die gesellschaftliche Trennung und Grenze wider, die über Jahrhunderte zwischen jüdischen und christlichen Gemeinschaften bestand.
Der Friedhof in der Schillerstraße wurde im Jahr 1822 angelegt und ersetzte den mittelalterlichen jüdischen Friedhof vor den Toren der Stadt, der nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1519 nicht mehr erhalten blieb. Der neue Friedhof war nicht nur ein Ort der Bestattung, sondern auch ein Zeichen dafür, dass es in Regensburg nach Jahrhunderten wieder eine jüdische Gemeinde gab.
Steine statt Blumen
Ein besonderes Merkmal jüdischer Friedhöfe sind die Steine, die Besucher auf den Grabsteinen hinterlassen. Statt Blumen niederzulegen, wird im Judentum ein kleiner Stein als Zeichen des Gedenkens auf das Grab gelegt – eine Tradition, die daran erinnern soll, dass die Erinnerung an die Verstorbenen Bestand hat.
Jüdische grabsteine und Inschriften
Die Grabsteine sind häufig nach Osten ausgerichtet, in Richtung Jerusalem, und enthalten hebräische Inschriften. Oft findet man darauf die Abkürzung „פ׳נ“ (Po Nikbar – „Hier ruht“) oder „ת׳נ׳צ׳ב׳ה׳“ (T’N’Tz’B’H – „Seine Seele sei eingebunden im Bund des Lebens“). Bestimmte Symbole auf den Grabsteinen geben Hinweise auf die Herkunft oder den Status der Verstorbenen: Der Davidstern steht für die jüdische Identität und segnende Hände deuten auf den Priester hin.
Im ältesten Teil des Friedhofs sind die Grabsteine nach Norden ausgerichtet. Dies hängt mit der ursprünglichen Nutzung des Geländes zusammen: Vor der Gründung des Friedhofs im Jahr 1822 befanden sich dort Schießanlagen. Es ist möglich, dass aus Platz- oder Sicherheitsgründen deswegen eine Nordausrichtung gewählt wurde. In den späteren Erweiterungen des Friedhofs – im alten und neuen Teil – wurden die Grabsteine dagegen nach Osten ausgerichtet. Dies entspricht der jüdischen Praxis, da sich in dieser Richtung Jerusalem befindet.
Die grenze, die einst paula weiner-odenheimer überschreiten musste
Im Rahmen unseres Oberthemas "Grenzen" wollen wir die Geschichte von Paula Weiner-Odenheimer erzählen, einer jüdischen Frau aus Regensburg, die damals eine existenzielle Grenze überschreiten musste. Ihre Lebensgeschichte zeigt, wie politische und gesellschaftliche Grenzen Menschen zwingen können, ihre Heimat zu verlassen.
Paula Weiner-Odenheimer wurde 1889 in Karlsruhe geboren und studierte Nationalökonomie in München, wo sie ihren späteren Ehemann, den Juristen Siegfried Weiner, kennenlernte. Nach ihrer Hochzeit 1914 zog die Familie nach Regensburg, wo Paula nicht nur als Mutter zweier Kinder, sondern auch als Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes aktiv war.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte ihrem bürgerlichen Leben ein Ende. 1933 wurde das Praxisschild ihres Mannes beschädigt – ein Zeichen, dass sie in Regensburg nicht mehr sicher waren. Die Familie floh nach Palästina, wo Siegfried Weiner seinen Beruf als Jurist nicht mehr ausüben konnte. Später kehrten Paula und Siegfried nach Deutschland zurück, bevor sie zu ihrer Tochter in die USA zogen.
Auf einer Reise durch Deutschland verstarb Paula Weiner-Odenheimer 1960. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem jüdischen Friedhof in Regensburg.
Der jüdische Friedhof in Regensburg ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Symbol für die Grenzen, die jüdische Bürgerinnen und Bürger im Laufe der Geschichte überschreiten mussten. Die Geschichte von Paula Weiner-Odenheimer (und viele mehr!) verdeutlicht dies besonders.
Schülerprojekt von Louis I., Maximilian S., Corvin S., Hanne G. und Kai M., Christian P., Lennart W., Mariam H.